Leinenzwang in Niedersachsen vom 1. April bis 15. Juli

Mann mit Hut und acht Hunden an kurzer Leine! Ist das noch artgerecht?

Ab dem 1. April beginnt die dreieinhalb Monate dauernde allgemeine Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit. Der Leinenzwang tritt in Kraft!

 

In Landschaftsschutzgebieten besteht außerdem ein ganzjähriger Leinenzwang und Naturschutzgebiete dürfen gar nicht mit dem Hund betreten werden.

 

 

 

Karten zu bestehenden Natur- und Landschaftsschutzgebieten findet man meistens auf der Homepage der jeweiligen Stadt oder Gemeinde. 

Bei Verstoß gegen den Leinenzwang muss mit einer Geldbuße von bis zu 5.000 Euro rechnen!

Was soll der Leinenzwang?


 

Es sollen in der Zeit gerade geborene Rehkitze oder brütende Vögel vor freilaufenden oder stöbernden Hunden geschützt werden. Auch der Hase oder das Schwarzwild, haben schon Nachwuchs, oder die weiblichen Tiere sind hochtragend. Diese können sich nicht wie sonst bewegen oder schnell fliehen.

 

Auch am Boden brütende Enten, Gänse, Rebhühner, Fasane, Kiebitze und Lerchen brüten jetzt.

Niedersächsisches Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung:


 

NWaldLG: § 33 Pflichten zum Schutz vor Schäden 

 

(1)

In der freien Landschaft ist jede Person verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ihrer Aufsicht unterstehende Hunde nicht streunen oder wildern und in der Zeit vom 1. April bis zum 15. Juli (allgemeine Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit), an der Leine geführt werden, es sei denn, dass sie zur rechtmäßigen Jagdausübung, als Rettungs- oder Hütehunde oder von der Polizei, dem Bundesgrenzschutz oder dem Zoll eingesetzt werden oder ausgebildete Blindenführhunde sind.

 

Koppeltore, Wildgattertore und andere zur Sperrung von Eingängen in eingefriedete Grundstücke oder von Wegen dienende Vorrichtungen sind nach dem Öffnen zu schließen, und das eigene und das anvertraute Vieh außerhalb eingefriedeter Grundstücke zu beaufsichtigen oder zu sichern. 

 

(2)

Die Feld- und Forstordnungsbehörden können durch Verordnung bestimmen, dass Hunde in der freien Landschaft auch außerhalb der Zeit vom 1. April bis zum 15. Juli an der Leine zu führen sind 

 

  • zum Schutz der Rückzugsmöglichkeiten des Wildes oder sonstiger wild lebender Tiere vor Beunruhigung durch Festlegung von Schongebieten oder
  • zum Schutz von Erholungssuchenden vor Belästigungen durch frei laufende Hunde auf Grundflächen, die besonderen Formen der Erholung dienen, insbesondere auf Liegewiesen, Spielplätzen und Sportanlagen. 

Was bedeutet nun „freie Landschaft“ für den Leinenzwang?


 

Die freie Landschaft besteht aus den Flächen des Waldes und der übrigen freien Landschaft, auch wenn die Flächen innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile liegen. Bestandteile dieser Flächen sind auch die zugehörigen Wege und Gewässer.

 

Nicht zur freien Landschaft gehören:

 

1. Straßen und Wege, soweit sie aufgrund straßengesetzlicher Regelung für den      öffentlichen Verkehr bestimmt sind,

 

2. Gebäude, Hofflächen und Gärten,

 

3. Gartenbauflächen, einschließlich Erwerbsbaumschulen und Erwerbsobstflächen sowie

 

4. Parkanlagen, die im räumlichen Zusammenhang zu baulichen Anlagen stehen, die zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind (§ 2 NWaldLG). 

Darf mein Hund im Wasser baden?


 

Bestandteile der "freien Landschaft" sind auch die zugehörigen Wege und Gewässer (§ 2 NWaldLG).

Also muss der Hund auch in Gewässern vom 01. April bis 15. Juli an die Leine. Es ist immer wichtig sich bei den zuständigen Gemeinden zu informieren. 

Gibt es eine vorgeschriebene Leinenlänge?


Nein, aber ein Hund darf auch an der Leine nicht streunen oder wildern (§ 33 NWaldLG).

Bei einigen Gemeinden, wird allerdings eine Mindestlänge der Leine vorgegeben. Bitte erkundigen Sie sich daher vorher! 

Wer kontrolliert den Leinenzwang und wie ist das Bußgeld geregelt?


 

Hier sind die Gemeinden verantwortlich, indem sie die Aufgaben der Feld- und Forstordnungsbehörden wahrnehmen.

Für die Ausführung berufen die Gemeinden Feldhüterinnen, Feldhüter, Forsthüterinnen und Forsthüter (§ 43 NWaldLG).

 

Ordnungswidrigkeit

 

Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 33 NWaldLG nicht dafür sorgt, dass ein seiner Aufsicht unterstehender Hund in der freien Landschaft nicht streunt oder wildert bzw. in der freien Landschaft in der Zeit vom 1. April bis zum 15. Juli an der Leine geführt wird (§ 42 NWaldLG).

 

Die Geldbuße kann bis zu 5.000 Euro betragen. Grundlage für die Zumessung der Geldbuße sind die Bedeutung der Ordnungswidrigkeit und der Vorwurf, der den Täter trifft. Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters kommen dabei in Betracht. Bei geringfügigen Ordnungswidrigkeiten bleiben Ahndungen jedoch in der Regel unberücksichtigt (§ 17 Ordnungswidrigkeitsgesetz (OWiG).

 

Unser Tipp: Bitte nie auf eine Diskussion einlassen! 

Argumente gegen den Leinenzwang


 

Wolfgang Apel, Tierschützer und Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, sieht in der pauschalen Anleinpflicht während der Brut- und Setzzeit einen Widerspruch zur tierschutzrechtlichen Verpflichtung der Hundehalter, ihre Tiere artgerecht zu bewegen.

 

„Der Hund ist ein Lauftier, der ein entsprechendes Bewegungsbedürfnis hat. Im Tierschutzgesetz ist dazu geregelt, dass ein Tier artgerecht gehalten werden muss, und nach der Tierschutz-Hundeverordnung ist der freie Auslauf als wesentliche Haltungsbedingung festgelegt. Uns ist daher die Regelung in Bremen und Niedersachsen, während der Brut- und Setzzeit immer in der freien Natur den Hund anzuleinen, zu pauschal.“ 

Leinenzwang- Ein Tierschutzproblem?


 

Einen sehr interessanten Artikel zum Thema Leinenzwang und Tierschutz finden Sie hier: 

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Leinenzwang- Ein Tierschutzproblem?
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